Projekt


Wer profitiert vom technischen Fortschritt? Heterogenitäten in den Gesundheitsergebnissen von Herzinfarktbehandlungen

In diesem Projekt schätzen wir die marginalen Effekte (marginal treatment effects, MTE) einer invasiven Herzinfarkt-Behandlung im Vergleich zur konservativen Behandlung.  Als Instrumentvariable werden regionale Unterschiede beim Zugang zu invasiven Herzinfarktverfahren verwendet.  Wir verwenden dazu administrative Daten aller stationären Krankenhauspatienten in Deutschland von 2005 bis 2007.

Die Abschätzung der Wirksamkeit medizinischer Interventionen steht im Zentrum der Gesundheitsökonomie. Wenngleich die randomisierte kontrollierte Studie typischerweise als "Goldstandard" der Evaluation gilt, ist sie oft nicht durchführbar. Andere Techniken, wie die Instrumentvariablenschätzung (IV), werden dann verwendet, um den kausalen Effekt einer medizinischen Intervention auf Größen wie Gesundheit oder Kosten abzuschätzen. Diese Techniken tragen dem ökonometrischen Problem Rechnung, dass - wenn Personen eine Behandlung nicht nach dem Zufallsprinzip erhalten - die Empfänger der Behandlung sich oft in für den Forscher uneboachtbaren Kriterien von denjenigen unterscheiden, die die Behandlung nicht erhalten. Dies könnte die Studienergebnisse verzerren.

Die IV-Schätzung kann eine hohe interne Validität der geschätzten Effekte bieten. Zunehmend wird jedoch in der Literatur eine eher begrenzte externe Validität bemängelt. Wenn sich der Behandlungseffekt bei einzelnen Personen unterscheidet - z.B. einige profitieren stark, andere nicht oder werden sogar geschädigt - identifizieren IV-Schätzungen einen sog. lokalen durchschnittlichen Behandlungseffekt (LATE): einen durchschnittlichen Effekt einer bestimmten Untergruppe von Personen, die in der Regel nicht die Gesamtgruppe der Behandelten ist.

Dies kann zwei Probleme hervorrufen: Erstens sind politische Entscheidungsträger in der Regel an durchschnittlichen Behandlungseffekten der Gesamtbevölkerung oder der Behandelten interessiert, also Größen, die sich vom identifizierten LATE unterscheiden können. Zweitens spielen Effektheterogenitäten eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Bewertung von medizinischen Interventionen. Positive durchschnittliche Effekte reichen möglicherweise nicht zur Rechtfertigung einer Behandlung aus, wenn es auch einen Anteil von Personen gibt, die durch die Behandlung geschädigt werden.

Die Schätzung der MTE adressiert diese Probleme, ermöglicht die Untersuchung von Heterogenitäten und die Schätzung von durchschnittlichen Behandlungseffekten für die Gesamtbevölkerung.

Projektleiter
Ansgar Wübker

Ansgar Wübker

Wissenschaftler


+49 (201) 814 99

Team

Boris Augurzky

Boris Augurzky

Wissenschaftler


+49 (201) 8149 203

Hendrik Schmitz

Hendrik Schmitz

Wissenschaftler


+49 (201) 8149 221

Matthias Westphal

Matthias Westphal

Wissenschaftler


+49 (201) 8149 340